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Vom Verlust der Bestattungskultur

Dia de los Muertos - der Tag der Toten

Wie auch hier zu Lande feiert man in ganz Lateinamerika um den 1. November einen Tag der Toten an dem man den Verstorbenen gedenkt. Allerdings geht dieses Gedenken hier schon auf vorchristliche Bräuche der Indios zurück, die im Zuge der Christianisierung nur auf ein anderes Datum verlegt wurden.

Ganz anders als bei uns ist dieser Totengedenktag aber kein leises Trauern mit trockenen Gestecken und kleinen Lichtern auf herbstlichen Gräbern. Der Dia de los Muertos ist ein Fest des fröhlichen Gedenkens, das Wochen im Voraus vorbereitet wird und in der Regel über drei Tage andauert. Kinder wie Erwachsene verkleiden sich als Tod und mancherorts wird in großen Prozessionen zu den Friedhöfen gepilgert, die in ein Meer aus bunten Blumen und Kerzen getaucht sind. In der alten Indio-Tradition werden den Toten Lebensmittel, Blumen und anderes geopfert und dargebracht, während für Kinder allerhand Zuckerwerk und Schokolade in Form von Totenköpfen und Skeletten verteilt wird.

Das Totengedenken ist hier nicht leise. Es holt die Toten für einen Tag mitten unter die Lebenden zurück bzw. das Leben spielt sich für einen Tag mitten unter den Toten ab.

Memento mori - Bedenke dass Du sterblich bist! - hieß es bei uns schon im Mittelalter. In Lateinamerika macht man sich dies Jahr für Jahr auf diese fröhliche Art bewusst und lässt die Toten für drei Tage wieder am Leben Teil haben.

Ein Stück dieses selbstverständlichen Umganges mit dem Tod täte uns manchmal gut.

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